Herausgeber einer Software-Zeitschrift:
„Geben Sie einem Computer die richtige Software, und
er wird tun, was immer Sie wünschen. Die Maschine selbst mag Grenzen
haben, doch für die Möglichkeiten von Software gibt es keine Grenzen.“
(zitiert nach D. Harel: Das Affenpuzzle und weitere bad news aus der Computerwelt)
Berechenbarkeit als Problem
Grundsatzfrage:
Gibt es Grenzen für die Möglichkeiten von Software?
Algorithmen - der Kern von Software:
Wo liegen die Grenzen algorithmisch gesteuerter Systeme?
Gibt es Grenzen des algorithmisch Machbaren?
Grundsatzfrage:
Gibt es Grenzen für die Möglichkeiten von Software?
Gibt es Grenzen für die Möglichkeiten von Algorithmen?
| Möglichkeitsnachweis: | Unmöglichkeitsnachweis: |
| Man entwickelt einen Algorithmus und implementiert die zugehörige Software. |
Man muss zeigen, dass es keinen Algorithmus gibt, der das gestellte Problem löst. D. h.: Jeder mögliche Algorithmus löst nicht das gestellte Problem. |
Vorgehensweise:
Um Aussagen über alle möglichen Algorithmen zu treffen, muss zunächst der Algorithmusbegriff präzisiert werden.
Einfache Frage - viele Antworten:
Aho, Hopcroft, Ullman
Ein Algorithmus ist eine endliche Folge von Instruktionen, die alle eindeutig interpretierbar und mit endlichem Aufwand in endlicher Zeit ausführbar sind. Algorithmen enthalten Instruktionen zur Formulierung von (beliebig vielen) Wiederholungen anderer Instruktionen. Unabhängig von den Werten der Eingangsgrößen endet ein Algorithmus stets nach endlich vielen Instruktionsschritten. Ein Programm ist dann ein Algorithmus, wenn für alle möglichen Eingabewerte sichergestellt ist, dass keine Instruktion unendlich oft wiederholt wird.
Kronsjö
Ein Verfahren, beschrieben durch eine endliche Menge von eindeutig interpretierbaren Regeln, das eine endlich lange Folge von Operationen zur Lösung eines Problems oder einer speziellen Problemklasse beschreibt, wird Algorithmus genannt.
(http://www.swe.uni-linz.ac.at/teaching/lva/ss02/algo1_vorlesung/hinweise.html)
Einfache Frage - viele Antworten:
Knuth
Ein Algorithmus muss nach endlich vielen Schritten enden. Jeder Schritt eines Algorithmus muss exakt beschrieben sein; die in ihm verlangten Aktionen müssen präzise formuliert und in jedem Falle eindeutig interpretierbar sein.
Ein Algorithmus hat keine, eine oder mehrere Eingangsgrößen, d.h. Größen, die von ihm benutzt und deren Werte vor Beginn seiner Ausführung festgelegt werden müssen.
Ein Algorithmus hat eine oder mehrere Ergebnisgrößen, d.h. Größen, deren Werte in Abhängigkeit von den Eingangsgrößen während der Ausführung des Algorithmus berechnet werden.
Ein Algorithmus muss so geartet sein, dass die in ihm verlangten Aktionen im Prinzip von einem Menschen in endlicher Zeit mit Papier und Bleistift ausgeführt werden können.
(http://www.swe.uni-linz.ac.at/teaching/lva/ss02/algo1_vorlesung/hinweise.html)
Einfache Frage - viele Antworten:
Bauer, Goos
Ein Algorithmus ist eine präzise, d.h. in einer festgelegten Sprache abgefasste, endliche Beschreibung eines allgemeinen Verfahrens unter Verwendung ausführbarer elementarer (Verarbeitungs-) Schritte.
Rechenberg
Ein Algorithmus ist ein endliches schrittweises Verfahren zur Berechnung gesuchter aus gegebenen Größen, in dem jeder Schritt aus einer Anzahl ausführbarer eindeutiger Operationen und einer Angabe über den nächsten Schritt besteht.
(http://www.swe.uni-linz.ac.at/teaching/lva/ss02/algo1_vorlesung/hinweise.html)
„Definition:“
Ein Algorithmus ist eine Folge von Handlungsanweisungen zur Lösung eines Problems, die folgende Anforderungen erfüllt:
(nach Gasper, Leiß, Spengler, Stimm: Technische und theoretische Informatik. bsv)
„Definition:“
Ein Algorithmus ist eine Folge von Handlungsanweisungen zur Lösung eines Problems, die folgende Anforderungen erfüllt:
Die oben aufgeführte Begriffsklärung ist keine präzise Definition im mathematischen Sinne.
„Definition:“
Ein Algorithmus ist eine Folge von Handlungsanweisungen zur Lösung eines Problems, die folgende Anforderungen erfüllt:
Ziel ist es, die informelle Begriffsklärung durch eine präzise Definition im mathematischen Sinne zu ersetzen.
Grundschema eines algorithmisch gesteuerten Systems
Präzisierungsansätze:
Maschinenorientierter Ansatz: Präzisierung des Prozessors
Zuordnungsorientierter Ansatz: Präzisierung der E/A-Zuordnungen
Anweisungsorientierter Ansatz: Präzisierung der zulässigen Anweisungen
Präzisierung mit Berechnungsmodellen
Die Festlegung, was ein Algorithmus ist, bezieht sich auf ein streng definiertes Berechnungsmodell, das genau vorschreibt, was unter „ausführbar“ zu verstehen ist.
Grundlegende Schwierigkeit des Präzisierungsverfahrens
Wird mit Hilfe des Berechnungsmodells wirklich der intuitive Algorithmusbegriff adäquat erfasst?
Kara als Berechnungsmodell
Kara ist ein Marienkäfer.
Kara lebt in einer Welt mit
Lit.:: Reichert / Nievergelt / Hartmann: Programmieren mit Kara, Springer-Verlag 2004.
Software: www.educeth.ch/karatojava
| Kara hat Sensoren, mit denen er/sie die Umwelt wahrnimmt: | Kara versteht einige Befehle, die er/sie folgsam ausführt: | ||
|
stehe ich vor einem Baumstumpf? |
|
mache einen Schritt vorwärts! |
|
ist links von mir ein Baumstumpf? |
|
drehe um 90° nach links! |
|
ist rechts von mir ein Baumstumpf? |
|
drehe um 90° nach rechts! |
|
stehe ich vor einem Pilz? |
|
lege ein Kleeblatt hin! |
|
stehe ich auf einem Kleeblatt? |
|
nimm ein Kleeblatt auf! |
Kara soll bis zum nächsten Baumstumpf, einmal um ihn herum und anschließend zurück zum Ausgangspunkt laufen.
| AZ: |
|
| ... |
|
| ZZ: |
|
| Akt. Zustand: | Bedingung: | Aktionen: | Neuer Zustand: |
| markieren |
|
hin | |
| hin |
nein
|
|
hin |
| hin |
ja
|
...
|
zurück |
| zurück |
nein
|
|
zurück |
| zurück |
ja
|
|
stop |
Entwickeln Sie einen Kara-Algorithmus zur Lösung des Problems:
| AZ: |
Kara sieht in Blickrichtung eine beliebig lange Baumstumpfreihe.
|
| ZZ: |
Kara umläuft die Baumstümpfe und bleibt stehen.
|
Entwickeln Sie einen Kara-Algorithmus zur Lösung des Problems:
| AZ: |
Kara sieht in Blickrichtung eine beliebig lange vertikale Baumstumpfreihe.
|
ZZ: |
Kara umläuft die Baumstumpfreihe und bleibt in der Verlängerung seines Wegs stehen.
|
Gibt es einen Kara-Algorithmus zur Lösung des Problems, bei dem Kara keine Blätter ablegen darf?
| AZ: |
|
ZZ: |
|
Von klaren Vorgaben zu präzisen Begriffsdefinitionen

Sei A die Menge der Kara-Aktionen:
A = {move, turnLeft, turnRight, putLeaf, removeLeaf}
Sei A´ die Menge der eingeschränkten Kara-Aktionen:
A´ = {move, turnLeft, turnRight}

Sei B die Menge der Kara-Bedingungen:
B = {treeFront, treeLeft, treeRight, mushroomFront, onLeaf,
not treeFront, treeFront and (not onLeaf), ..., true}
| Akt. Zustand: | Bedingung: | Aktionen: | Neuer Zustand: |
| markieren |
|
hin | |
| hin |
nein
|
|
hin |
| hin |
ja
|
...
|
zurück |
Definition:
Ein Kara-Algorithmus ist eine Paar (Z, F) bestehend aus
einer endlichen Menge Z von Zuständen, die einen ausgezeichneten Startzustand enthält,
und einer Funktion F, die die Arbeitsweise von Kara wie folgt festlegt: F ordnet
Zustands-Bedingungs-Kombinationen
(z, b) mit z?Z und b?B eine Aktionen-Zustands-Kombination (a, z´) zu, wobei a eine
endliche (evtl. leere) Folge von Aktionen aus A ist und z´?Z den Folgezustand darstellt.
Ein Read-Only-Kara-Algorithmus ist ein Kara-Algorithmus,
bei dem nur Aktionen aus der eingeschränkten Menge A´vorkommen.
Von präzisen Begriffsdefinitionen zu nachweisbaren Aussagen
Satz:
Es gibt einen Kara-Algorithmus, der das „vertikale Baumumrundungsproblem“ löst.
(Möglichkeits-) Beweis:
Der Beweis erfolgt konstruktiv, indem man einen geeigneten Kara-Algorithmus angibt.
Grundidee: Kara legt beim Weg „nach oben“ neben jeden Baumstumpf ein Kleeblatt. Kara
zählt auf diese Weise mit, an wie vielen Baumstümpfen er/sie vorbeiläuft. Kara transportiert
anschließend jedes dieser abgelegten Kleeblätter auf die „andere Seite des Baumstumpfs“.
Damit ist Kara in der Lage, die gewünschte Endposition zu bestimmen.
Von präzisen Begriffsdefinitionen zu nachweisbaren Aussagen
Satz:
Es gibt keinen Read-Only-Kara-Algorithmus, der das „vertikale Baumumrundungsproblem“ löst.
(Unmöglichkeits-) Beweis:
Der Beweis wird durch Widerspruch geführt: Man nimmt an, es gebe einen solchen Algorithmus und
führt diese Annahme zum Widerspruch.
Da das „vertikale Baumumrundungsproblem“ für Read-Only-Kara-Algorithmen strukturell ähnlich zum
„anbn-Spracherkennungs-problem“ für endliche Automaten ist, kann der Nachweis, dass es keinen
Read-Only-Kara-Algorithmus gibt, der das „vertikale Baumumrundungsproblem“ löst, völlig analog
zum „anbn-Spracherkennungsproblem“ geführt werden.
Kara-Berechenbarkeit
Im Folgenden betrachten wir eine spezielle Klasse von Problemen, die Kara lösen soll. Es handelt sich hier um „Berechnungs-probleme“, die Kara mit Hilfe von Kleeblättern ausführen soll.
Entwickeln Sie einen Kara-Algorithmus zur Addition:
| AZ: |
Kara steht vor zwei beliebig langen, durch eine leere Zelle getrennte
Blattreihen der Längen m und n (die auch 0 sein können).
|
| ZZ: |
Kara hat eine Blattreihen der Länge m+n erzeugt.
|
Entwickeln Sie einen Kara-Algorithmus zur Subtraktion:
| AZ: |
Kara steht vor zwei beliebig langen, durch eine leere Zelle getrennte
Blattreihen der Längen m und n (die auch 0 sein können).
|
| ZZ: |
Falls m≥n ist, hat Kara eine Blattreihe der Länge m-n erzeugt.
|
Entwickeln Sie einen Kara-Algorithmus zur Subtraktion:
| AZ: |
Kara steht vor zwei beliebig langen, durch eine leere Zelle getrennte
Blattreihen der Längen m und n (die auch 0 sein können).
|
| ZZ: |
Falls m<n ist, kommt Kara nicht mehr klar und dreht sich ständig im Kreis herum.
|
Entwickeln Sie einen Kara-Algorithmus zum Verdoppeln:
| AZ: |
Kara steht vor einer beliebig langen Blattreihe der Länge n (die auch 0 sein kann).
|
| ZZ: |
Kara hat eine Blattreihe der Länge 2n erzeugt.
|
Entwickeln Sie einen Kara-Algorithmus zur Multiplikation:
| AZ: |
Kara steht vor zwei beliebig langen, durch eine
leere Zelle getrennte Blattreihen der Längen m und n (die auch 0 sein können).
|
| ZZ: |
Kara hat eine Blattreihe der Länge m·n erzeugt.
|
Entwickeln Sie einen Kara-Algorithmus zur Multiplikation:
| AZ: |
Kara steht vor zwei beliebig langen, durch eine
leere Zelle getrennte Blattreihen der Längen m und n (die auch 0 sein können).
|
| ZZ: |
Kara hat eine Blattreihe der Länge m·n erzeugt, ohne die Zellenreihe,
in der die Blätter liegen, zu verlassen.
|
Vom informellen Begriff zur präzisen Begriffsdefinition
Verdoppeln:
| AZ: |
Kara steht vor einer beliebig langen Blattreihe der Länge n (die auch 0
sein kann).
|
| ZZ: |
Kara hat eine Blattreihe der Länge 2n erzeugt.
|
Kara berechnet die Verdopplungsfunktion f: N → N mit f(n) = 2n.
Subtraktion:
| AZ: |
Kara steht vor zwei beliebig langen, durch eine leere Zelle
getrennte Blattreihen der Längen m und n (die auch 0 sein können).
|
| ZZ: |
Falls m<n ist, kommt Kara nicht mehr klar und dreht sich ständig im Kreis herum.
|
Kara berechnet die Subtraktionsfunktion f: N x N → N mit:
| f(m,n) = | { | m-n | falls m ≥ n |
| undefiniert | falls m < n |
Definition:
Eine Funktion f: N → N heißt Kara-berechenbar, gdw gilt:
Es gibt einen Kara-Algorithmus mit der folgenden Eigenschaft:
| AZ: |
Kara steht vor einer Blattreihe der Länge n.
|
| ZZ: |
Fall 1: f(n) ist definiert: Kara hat eine Blattreihe der Länge f(n) erzeugt und hält. ![]() Fall 2: f(n) ist undefiniert: Kara hält nicht.
|
Analog für f: N x N x ... x N → N
Satz:
Die folgenden Funktionen sind Kara-berechnenbar:
Neue Fragen
Welche Funktionen sind Kara-berechnenbar, welche evtl. nicht?
Turingmaschinen
Vom Rechnen zu den „Computing maschines“
„Computing is normally done by writing certain symbols on paper. We may suppose this paper is divided into squares like a child's arithmetic book. In elementary arithmetic the two-dimensional character of the paper is sometimes used.
(Alan Turing: On Computable Numbers, with an Application to the Entscheidungsproblem. Proceedings of the London Mathematical Society 1936)
Vom Rechnen zu den „Computing maschines“
„Computing is normally done by writing certain symbols on paper. We may suppose this paper is divided into squares like a child's arithmetic book. In elementary arithmetic the two-dimensional character of the paper is sometimes used. But such a use is always avoidable, and I think that it will be agreed that the two-dimensional character of paper is no essential of computation. I assume then that the computation is carried out on one-dimensional paper, i.e. on a tape divided into squares. ...“
(Alan Turing: On Computable Numbers, with an Application to the Entscheidungsproblem. Proceedings of the London Mathematical Society 1936)
Vom Rechnen zu den „Computing maschines“
„The behaviour of the computer at any moment is determined by the symbols which he is
observing and his “state of mind” at that moment. ...“
„Let us imagine the operations performed by the computer to be split up into “simple
operations” which are so elementary that it is not easy to imagine them further divided.
...“
(Alan Turing: On Computable Numbers, with an Application to the Entscheidungsproblem. Proceedings of the London Mathematical Society 1936)
Zustandsübergang:
Turingmaschinenaktionen:
| R | ein Feld nach rechts | |
| L | ein Feld nach links | |
| S | stopp |
Berechnungsproblem: Addition von „Strichzahlen“
Turingmaschine (dargestellt mit einem Zustandsgraphen):
Turingmaschine (dargestellt mit einem Zustandsgraphen):
Turingmaschine (dargestellt mit einer Zustandstafel):
| alter Zustand | gelesenes Zeichen | geschrieb. Zeichen | Kopfbewegung | neuer Zustand | ||||
| Z0 | I | I | R | Z0 | ||||
| Z0 | ' ' | I | R | Z1 | ||||
| Z1 | I | I | R | Z1 | ||||
| Z1 | ' ' | ' ' | L | Z2 | ||||
| ... |
Definition:
Eine Turingmaschine ist ein Tupel T = (X, B,
b, Z, z0, δ) bestehend aus
| alter Zustand | gelesenes Zeichen | geschrieb. Zeichen | Kopfbewegung | neuer Zustand | ||||
| Z0 | I | I | R | Z0 | ||||
| Z0 | ' ' | I | R | Z1 | ||||
| Z1 | I | I | R | Z1 | ||||
| Z1 | ' ' | ' ' | L | Z2 | ||||
| ... |
Berechnungsproblem: Verdopplung von „Strichzahlen“
Entwickeln und testen Sie eine Turingmaschine zur Verdopplung von Strichzahlen. Beschreiben Sie die Turingmaschine mit einem Zustandsgraph und einer Zustandstabelle. Zum Testen können Sie den MPG-Turing-Simulator benutzen.
Definition:
Eine Funktion f: N → N heißt Turingmaschinen-berechenbar,
gdw gilt: Es gibt eine Turingmaschine T mit der folgenden Eigenschaft:
| AZ: |
Auf dem Band befindet sich n dargestellt als Strichzahl.
|
| ZZ: |
Fall 1: f(n) ist definiert: T hält und hat f(n) dargestellt als Strichzahl erzeugt. ![]() Fall 2: f(n) ist undefiniert: T hält nicht. |
Analog für f: N x N x ... x N → N
Berechnungsproblem: Verdopplung von „Strichzahlen“
Berechnungsproblem: Verdopplung von „Strichzahlen“
Lösen Sie das Verdopplungsproblem (oder das Multiplikationsproblem) mit Hilfe einer 2-Band-Turingmaschine und mit Hilfe einer zweidimensionalen Turingmaschine.
Problem
Was leisten Mehr-Band-Turingmaschinen bzw. zweidimensionale Turingmaschinen mehr als Ein-Band-Turingmaschinen?
Satz:
Eine Funktion f: N x N x ... x N → N ist mit einer
Ein-Band-Turingmaschine berechenbar
gdw
sie mit einer Zwei-Band-Turingmaschine berechenbar ist
gdw
sie mit einer Mehr-Band-Turingmaschine berechenbar ist.
Simulation der Aktionen einer Zwei-Band-TM auf einem Band
Problem
Was leisten Mehr-Band-Turingmaschinen bzw. zweidimensionale Turingmaschinen mehr als Ein-Band-Turingmaschinen?
Satz:
Eine Funktion f: N x N x ... x N → N ist mit einer
eindimensionalen (Ein-Band-) Turingmaschine berechenbar
gdw
sie mit einer zweidimensionalen Turingmaschine berechenbar ist.
Universelle Turingmaschine
Computer sind programmierbar!
Ein universelles Berechnungsmodell sollte in der Lage sein, nicht nur Eingabedaten in einer ganz bestimmten Weise zu verarbeiten, sondern Eingabedaten nach einem beliebigen, ebenfalls einzugebenden Verarbeitungsprogramm zu verarbeiten.
Universelle Turingmaschine als Turingmaschinen-Interpreter
Eine universelle Turingmaschine besitzt die Fähigkeit, beliebige andere Turingmaschinen zu simulieren. Als Eingabe erhält sie die Beschreibung der zu simulierenden Turingmaschine und der Daten auf dem Eingabeband für diese Turingmaschine.
Beispiel: Invertieren einer 01-Zeichenkette
Eine universelle Turingmaschine besitzt die Fähigkeit, beliebige andere Turingmaschinen zu simulieren. Als Eingabe erhält sie die Beschreibung der zu simulierenden Turingmaschine und der Daten auf dem Eingabeband für diese Turingmaschine.
Simulation von Ein-Band-Turingmaschinen mit einer univers. TM
Vgl.: Turingkara - Aufgaben: Die universelle Turingmaschine
Simulation von Ein-Band-Turingmaschinen mit einer univers. TM.
Kodierung: alter Zustand als Strichzahl+1; Leerzeichen; altes Zeichen; neues Zeichen; Bewegung; neuer Zustand als Strichzahl+1
Vgl.: U. Mayr: Theoretische Informatik am PC, S. 18 ff. Programm: Bsp-206.tm
Testen Sie die universelle Turingmaschine der Turing-Kara-Umgebung bzw. des MPG-Simulators. Versuchen Sie insbesondere zu verstehen, wie diese universelle Turingmaschine arbeitet. Sie können auch die jeweils vorgegebene Turingmaschine und Bandbelegung durch eine andere ersetzen.
Satz:
Es gibt universelle Turingmaschinen.
Bemerkungen zum Beweis:
Die Existenz einer universellen Turingmaschine zeigt man, indem man eine
TM konstruiert, die sich wie ein Turingmaschinen-Interpreter verhält, d.
h. diese (zweidimensionale oder Mehr-Band-) Turingmaschine simuliert das
Verhalten einer beliebig vorgegebenen Ein-Band-Turingmaschine bei einer
beliebig vorgegebenen Bandbelegung. Die vorgegebene Turingmaschine und
die vorgegebene Bandbelegung müssen dabei geeignet kodiert werden.
Registermaschinen
Grundschema eines algorithmisch gesteuerten Systems
Präzisierungsansätze:
Maschinenorientierte Ansätze:
- Kara („mehr als ein Spielzeug“)
- Turingmaschine („abstraktes Rechnermodell“)
- Registermaschine („an realen Rechnern orientiertes Modell“)
An realen Rechnern orientiertes Berechnungsmodell
An realen Rechnern orientiertes Berechnungsmodell
| > x INC i | Erhöhe Register i um 1. Gehe zu Zeile x+1. |
| > x DEC i | Erniedrige Register i um 1. Gehe zu Zeile x+1. |
| > x JMP i | Gehe zu Zeile i. |
| > x TST i | Wenn Register i ungleich 0 ist, dann gehe zu Zeile x+1, sonst zu Zeile x+2. |
| > x HLT | Beende die Bearbeitung. |
Die Registermaschine berechnet die Verdopplungsfunktion auf natürlichen Zahlen, d. h.:
f: N → N mit f(n) = 2n
Definition:
Eine Funktion f: N → N heißt Registermaschinen-berechenbar,
gdw gilt: Es gibt eine Registermaschine mit der folgenden Eigenschaft
| AZ: |
Im Registern R1 befindet sich der Ausgangswert.
|
| ZZ: |
Fall 1: f(n) ist definiert: Die RM hält und in R0 befindet sich der Ergebniswert. ![]() Fall 2: f(n) ist undefiniert: Die RM hält nicht. |
Analog für f: N x N x ... x N → N
Satz:
Eine Funktion f: N x N x ... x N → N ist Turingmaschinenberechenbar
gdw sie Registermaschinenberechenbar ist.
Beweis:
Der Beweis wird konstruktiv geführt. Man konstruiert mit Hilfe einer
Turingmaschine einen Registermaschinen-Interpreter und umgekehrt mit
Hilfe einer Registermaschine einen Turingmaschinen-Interpreter.
LOOP- und WHILE-Programme
Grundschema eines algorithmisch gesteuerten Systems
Präzisierungsansätze:
Anweisungsorientierte Ansätze:
- Die Programmiersprache „LOOP“
- Die Programmiersprache „WHILE“
- Die Programmiersprachen „Pascal“, „Delphi“, „Java“, ...
Bestandteile von LOOP-Programmen
| Variablen: | x0 x 1 x2 ... |
| Konstanten: | 0 1 2 ... |
| Trennsymbole: | ; := |
| Operatoren: | + - |
| Schlüsselwörter: | LOOP DO END |
Aufbau eines LOOP-Programms
Jede Wertzuweisung der Form xi := c oder xi := xj oder xi := xj + c ist ein LOOP-Programm.
Falls P1 und P2 LOOP-Programme sind, dann ist auch die Sequenz P1; P2 ein LOOP-Programm.
Falls P ein LOOP-Programm ist, dann ist auch LOOP xi DO P END ein LOOP-Programm.
Beispiel eines LOOP-Programms
x0 := x1;
LOOP x2 DO x0 := x0 + 1 END
Ausführung der LOOP-Anweisung
Eine LOOP-Anweisung der Form LOOP xi DO P END wird wie folgt ausgeführt: Die LOOP-Anweisung P wird sooft ausgeführt, wie der Wert der Variablen xi zu Beginn beträgt.
Bedeutung eines LOOP-Programms
| {x0: [...]; x1: [5]; x2: [3]; x3: [...]; ... } | Das Programm berechnet die Additionsfunktion auf natürlichen Zahlen: f(m, n) = m + n |
| x0 := x1; | |
| LOOP x2 DO x0 := x0 + 1 END | |
| {x0: [8]; x1: [5]; x2: [3]; x3: [...]; ... } |
Bestandteile von WHILE-Programmen
| Variablen: | x0 x 1 x2 ... |
| Konstanten: | 0 1 2 ... |
| Trennsymbole: | ; := |
| Operatoren: | + - |
| Schlüsselwörter: | WHILE DO END |
Aufbau eines WHILE-Programms
Jede Wertzuweisung der Form xi := c oder xi := xj oder xi := xj + c ist ein WHILE-Programm.
Falls P1 und P2 WHILE-Programme sind, dann ist auch die Sequenz P1; P2 ein WHILE-Programm.
Falls P ein WHILE-Programm ist, dann ist auch WHILE xi ≠ 0 DO P END ein WHILE-Programm.
Beispiel eines WHILE-Programms
x0 := x1;
WHILE x2 ≠ 0 DO x0 := x0 + 1; x2 := x2 - 1 END
Ausführung der WHILE-Anweisung
Eine WHILE-Anweisung der Form WHILE xi ≠ 0 DO P END wird wie folgt ausgeführt: Das WHILE-Programm P wird solange ausgeführt, wie der Wert der Variablen xi ungleich Null ist.
Bedeutung eines WHILE-Programms
| {x0: [0]; x1: [5]; x2: [3]; x3: [0]; ... } | Das Programm berechnet die Additionsfunktion auf natürlichen Zahlen: f(m, n) = m + n |
| x0 := x1; | |
| WHILE x2 ≠ 0 DO x0 := x0 + 1; x2 := x2 + 1 END | |
| {x0: [8]; x1: [5]; x2: [0]; x3: [0]; ... } |
Definition:
Eine Funktion f: N → N heißt LOOP-/WHILE-berechenbar,
gdw gilt: Es gibt ein LOOP-/WHILE-Programm mit der folgenden Eigenschaft
| AZ: |
Die Variable x1 enthält den Ausgangswert: {x0: [0]; x1: [0]; x2: [0]; x3: [0]; ... } |
| ZZ: |
Fall 1: f(n) ist definiert: Die Ausführung des Programms endet und x0 enthält den Ergebniswert. {x0: [f(n)]; x1: [...]; x2: [...]; x3: [...]; ... } Fall 2: f(n) ist undefiniert: Die Ausführung des Programms endet nicht. |
Analog für f: N x N x ... x N → N
Aufgabe 1
Entwickeln Sie ein LOOP-Programm / WHILE-Programm zur Berechnung der Verdopplungsfunktion /
Multiplikationsfunktion.
Aufgabe 2
Welche Funktion wird durch das folgende WHILE-Programm berechnet?
x0 := x1;
WHILE x2 ≠ 0 DO x0
:= x0 + 1 END
Aufgabe 3
Gibt es Funktionen, die mit keinem LOOP-Programm berechnet werden können?
Unterschied: LOOP-berechenbar - WHILE-berechenbar
Die Ausführung jedes LOOP-Programms endet immer. Ein WHILE-Programm kann dagegen eine
Endlosschleife enthalten.
x0 := x1;
WHILE x2 ≠ 0 DO x0
:= x0 + 1 END
Das gezeigte WHILE-Programm berechnet die Funktion f: N → N mit f(m, n) = IF(n=0, m, ⊥).
Satz:
Es gibt Funktionen f: N x N x ... x N → N, die WHILE-berechenbar, aber nicht
LOOP-berechenbar sind.
Satz:
Eine Funktion f: N x N x ... x N → N ist WHILE-berechenbar gdw sie
Registermaschinen-berechenbar ist.
Beweis:
Der Beweis wird konstruktiv geführt. Man konstruiert zu jeder Registermaschine ein entsprechendes
WHILE-Programm und umgekehrt zu jedem WHILE-Programm eine entsprechende Registermaschine.
Rekursive Funktionen
Grundschema eines algorithmisch gesteuerten Systems
Grundidee:
Man beschreibt die berechenbaren E/A-Zuordnungen wie folgt:
Einige einfache Grundfunktionen werden als „berechenbar“ erklärt.
Des weiteren werden einige einfache Konstruktionsprinzipien angegeben,
die beschreiben, wie man aus „berechenbaren Funktionen“ weitere
„berechenbare Funktionen“ erhält. Die zentrale Konstruktionsoperation
ist die dabei die Rekursion.
Beispiel: Addition natürlicher Zahlen
add(x,0) = x
add(x,s(y))= s(add(x,y))
Bemerkungen:
Die Nachfolgerfunktion s: N → N, die jeder natürlichen Zahl ihren
direkten Nachfolger zuordnet, wird als gegebene berechenbare Funktion
betrachtet.
Die Funktion add: N x N → N, die je zwei natürlichen Zahlen ihre
Summe zuordnen soll, wird rekursiv festgelegt:
- Zunächst wird der Rekursionsanfang „addiere zur Zahl x die Zahl 0“
festgelegt.
- Anschließend wird der Fall „addiere zur Zahl x den Nachfolger s(y)
einer Zahl y“ auf den Fall „addiere zu x die Zahl y“ rekursiv reduziert.
Bei der Festlegung werden hier die Konstruktionsoperationen „Rekursion“
und „Funktionskomposion“ und die Grundfunktion „s“ benutzt.
Beispiel: Addition natürlicher Zahlen
add(x,0) = x
add(x,s(y))= s(add(x,y))
Berechnung rekursiv festgelegter Funktionen
| add(3,2) | >add(3,2) |
| = s(add(3,1)) | >add(3,1) |
| = s(s(add(3,0))) | >add(3,0) |
| = s(s(3)) | <add(3,0)=3 |
| = s(4) | <add(3,1)=4 |
| = 5 | <add(3,2)=5 |
Entwickeln Sie rekursive Berechnungsschemata für die folgenden Funktionen. Benutzen Sie nur die vorgegebene Nachfolgerfunktion s und bereits definierte Funktionen (wie add).
| mult(x, y) | Beschreibt die übliche Multiplikation natürlicher Zahlen |
| fakt(x) |
Beschreibt die Fakultätsfunktion: f(0) = 1, f(1) = 1, f(2) = 2*1, f(3) = 3*2*1, ... |
| exp(x, y) |
Beschreibt die Potenzbildung für natürliche Zahlen, d. h.: exp(2, 3) = 23 |
Untersuchen Sie die folgenden rekursiven Berechnungsschemata und beschreiben Sie die jeweils berechneten Funktionen.
test(0)=1
test(s(x))=0
pred(0)=0
pred(s(x))=x
subtr(x,0)=x
subtr(x,s(y))=pred(subtr(x,y))
absdiff(x,y)=add(subtr(x,y),subtr(y,x))
equal(x,y)=test(absdiff(x,y))
Welche Berechnungsschemata sind korrekt, sinnvoll?
subtr2(x, 0) = x
subtr2(0, y) = y
subtr2(s(x), s(y)) = subtr2(x, y)
subtr3(x, 0) = x
subtr3(0, y) = y
subtr3(x, y) = subtr3(s(x), s(y))
add2(x, 0) = x
add2(x,y)= add(s(x),pred(y)))
Rekursive Problemreduktionen:
add(x,s(y))= s(add(x,y))
add2(x,y)= add2(s(x),pred(y)))
subtr(x,s(y))=pred(subtr(x,y))
subtr2(s(x), s(y)) = subtr2(x, y)
subtr3(x, y) = subtr3(s(x), s(y))
Primitives Reduktionsschema:
add(x,s(y))= s(add(x,y))
f(x1,...,xn
,s(y)) = h(x1,...,xn
,y,f(x1,...,xn,y))
In einem Schritt wird nur ein Argument um 1 reduziert.
Primitives Reduktionsschema:
add(x,0) = x
add(x,s(y))= s(add(x,y))
Formalisierung
f(x1,...,xn
,0) = g(x1,...,xn)
f(x1,...,xn
,s(y)) = h(x1,...,xn
,y,f(x1,...,xn,y))
Rekursionsanfang: Die Funktion f kommt nicht auf der rechten Seite vor.
Rekursionsschritt: Die Funktion f kommt auf der rechten Seite vor, aber nur ein Argument wird
um 1 reduziert.
Definition:
Eine Funktion f: N x ... x N → N heißt primitiv rekursiv,
gdw gilt: Die Funktion f lässt sich mit Hilfe der Nachfolgerfunktion s als Grundfunktion sowie
Funktionskomposition und primitiver Rekursion als Konstruktionsoperationen berechnen.
Satz:
Die folgenden Funktionen sind primitiv rekursiv:
Testen Sie das folgende rekursive Berechnungsschemata zur sogenannten Ackermann-Funktion. Was beobachtet man, wenn die Parameter (insbesondere der zweite) nicht sehr klein gewählt werden?
Ack(0,y)=s(y)
Ack(s(x),0)=Ack(x,1)
Ack(s(x),s(y))=Ack(x,Ack(s(x),y))
Rekursive Definition:
Ack(0,y)=s(y)
Ack(s(x),0)=Ack(x,1)
Ack(s(x),s(y))=Ack(x,Ack(s(x),y))
Beachte:
Es handelt sich hier nicht um ein primitiv rekursives Rekursionsschema.
Satz:
Die Ackermann-Funktion ist nicht primitiv rekursiv.
Man muss zeigen, dass die Ackermannfunktion sich nicht mit Hilfe eines primitiv rekursiven Rekursionsschemas darstellen lässt. Zum Beweis zeigt man, dass die Ackermann-Funktion schneller wächst als jede primitiv rekursive Funktion.
Wir betrachten die folgende informell definierte Funktion. Berechnen Sie f(5, 2) und f(2, 5). Beschreiben Sie das Verhalten der Funktion f.
f(x, y) = „das kleinste z mit y+z=x“
Definition:
Eine Funktion f: N x ... x N → N heißt partiell rekursiv,
gdw gilt:
Die Funktion f lässt sich mit Hilfe der Nachfolgerfunktion s als Grundfunktion sowie Funktionskomposition,
primitiver Rekursion und dem „das kleinste“-Operator als Konstruktionsoperationen berechnen.
Satz:
Die Ackermann-Funktion ist partiell rekursiv.
Beweis: siehe Fachliteratur
Satz:
Eine Funktion f: N x N x ... x N → N ist primitiv rekursiv gdw sie LOOP-berechenbar ist.
Eine Funktion f: N x N x ... x N → N ist partiell rekursiv gdw sie WHILE-berechenbar ist.
Beweis: siehe Fachliteratur
Church-Turing-These
Grundschema eines algorithmisch gesteuerten Systems
Präzisierungsansätze:
Maschinenorientierter Ansatz: Turingmaschine, Registermaschine
Zuordnungsorientierter Ansatz: partiell rekursive Funktion
Anweisungsorientierter Ansatz: WHILE, Pascal, Delphi, C, Java, ...
Satz:
Gegeben ist eine Funktion f: N x N x ... x N → N. Die folgenden Aussagen sind äquivalent:
- f ist Turingmaschinen-berechenbar.
- f ist Registermaschinen-berechenbar.
- f ist WHILE-berechenbar,
- f ist partiell rekursiv.
- f ist Pascal-berechenbar.
- ...
Bem.:
Alle Ansätze zur Präzisierung führen auf dieselbe Klasse berechenbarer Funktionen.
These
Die Klasse der im intuitiven Sinn berechenbaren Funktion ist genau die Klasse der
Turingmaschinen-berechenbaren Funktionen bzw. die Klasse der partiell rekursiven
Funktionen bzw. die Klasse der WHILE-berechenbaren Funktionen bzw. ...
Gasper, Leiß, Spengler, Stimm: Technische und theoretische Informatik. Bayerischer Schulbuch-Verlag 1992.
U. Mayr: Theoretische Informatik am PC. SIL-Studienmaterial Band 142, Speyer 1994.
Reichert, Nievergelt, Hartmann: Programmieren mit Kara. Springer-Verlag 2004.
D. Harel: Das Affenpuzzle und weitere bad news aus der Computerwelt. Springer-Verlag 2002.
U. Schöning: Theoretische Informatik - kurzgefasst. Spektrum Akademischer Verlag 2001.